Veröffentlicht in Analyse, Identitäre, Neue Rechte

Strategien einfach erklärt: #1 Retorsion

Das ist eine Strategie, in der sich Angehörige der privilegierten Mehrheit einer Gesellschaft mit den Waffnen der Minderheit ausstattet – man stellt sich selbst als Minderheit, als bedroht, als diskriminiert dar. Rechtsextreme legitimieren aus dieser Position heraus rassistische Politik, denn es klingt heldenhafter zu sagen „wir sind bedroht, wir verteidigen uns“ als zu sagen „wir haben Privilegien und keine Lust, etwas davon abzugeben, damit es anderen besser geht als jetzt“. (Vgl.Mark Terkessidis: Kulturkampf. Volk, Nation, der Westen und die Neue Rechte. Köln 1995, S. 67)

Retorsion 1
Identitäre Bewegung Deutschland (Facebook): https://www.facebook.com/identitaere/photos/a.583269085024488.1073741828.581482171869846/703236009694461/?type=3&theater

 

Was ist die Aussage?

Wenn sich Identitäre (als Deutsche/ÖsterreicherInnen) als bedrohte Minderheit im eigenen Land inszenieren, so setzen sie wahlweise Migration und Flucht von Einzelpersonen und Familien mit der gezielten und gewaltsamen Siedlungspolitik und Vertreibung amerikanischer UreinwohnerInnen gleich. Es spielt keine Rolle, dass Familien nicht in Absprache, nicht mit großer Strategie, ohne Gewalt und ohne verbliebenes Eigentum vor Not und Krieg flüchten und Schutz suchen. Sie werden von Identitären pauschal als Gefahren und GegnerInnen dargestellt.

Retorsion 2
Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner

 

Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner
Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner

Auch hier findet Retorsion statt: Emanzipation von gesellschaftlich (offensichtlich!) diskriminierten Gruppen wird als Angriff auf die Privilegien der Mehrheit gewertet.

Konkret: sich benachteiligt zu fühlen, weil Twitter dem Hashtag #blacklivesmatter, einer Initiative, bei der sich Tausende Schwarze in den USA organisieren und gegen Morde an schwarzen Mitmenschen durch (weiße) PolizistInnen protestieren – unter dem Vorwand, Identitäre (die auf lediglich 500 Leute auf ihre größeren Demonstrationen mobilisieren) hätten noch keinen, ist bewusste Realitätsverzerrung. Privilegierte brauchen keine Emanzipation, keine Besserstellung – Unterdrückte dagegen sind laut und kämpfen, um gleich wie die bisher Privilegierten behandelt zu werden. Eine sehr gute Antwort auf „all lives matter“ in Reaktion auf „black lives matter“ wurde hier sehr gut zusammengefasst!

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