Veröffentlicht in Analyse, Identitäre

Funktionen und Handlungsräume von Frauen in der „Identitären Bewegung“

Gemeinsam mit Brigitte Bailer-Galanda, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, hat Kathrin Glösel bei einer Diskussionsveranstaltung im „ega“ teilgenommen. Thema waren die Handlungsräume von Frauen in der rechtsextremen Szene. Im Beitrag von Kathrin ging es dabei um Frauen in den Reihen der Identitären (IB). Frauen als Kaderfiguren sind bei der IB zwar klar in der Minderheit. Nichts desto trotz ist es wichtig, sich mit ihren Motiven, ihren Funktionen und ihrem Nutzen für die IB auseinanderzusetzen. Der nachfolgende Beitrag ist ein Transkript dieses Teils der Diskussionsveranstaltung.

Was wollen die Frauen bei den Identitären überhaupt?

Es ist davon auszugehen, dass Frauen zunächst einmal dasselbe ihre männlichen Kameraden in der IB anstreben. Sie agitieren gegen dieselben Feindbilder und für ihr Ideal einer homogenen (Volks)Gemeinschaft – anhand jener Mittel, wie sie die IB zur Verfügung stellt. Dazu zählen Straßen- und Internetaktivismus und Medienarbeit ebenso wie Gewalt. Die IB schult ihre Mitglieder rhetorisch wie auch im Kampfsport. Es sind Fertigkeiten, die genutzt werden, um das was sie als „Streetfight“ propagieren wörtlich in die Tat umzusetzen.

Die Gegner sind für alle – auch die Frauen in der IB – dieselben:

  • Flüchtlinge, MigrantInnen, MuslimInnen imm Allgemein. Warum? Für die IB gibt es ein elementares Mobilisierungsmoment: Die vermeintliche „Krise der Demographie“. Das bedeutet für die IB, aber auch für Rechtsextreme im Allgemeinen, dass sich zu viele Menschen, die als „fremd“ kategorisiert werden, Teil der Bevölkerung sind, entweder aufgrund von Zuwanderung, Flucht oder Familiengründungen von „Fremden“ oder aufgrund eines Geburtenschwundes, den die IB den „eigenen“ Frauen zum Vorwurf machen. Einher geht das mit einer vor sich hergetragenen Verschwörungstheorie des „Bevölkerungsaustausches“, einer Erzählung, die behauptet, die „eigene“ Bevölkerung (eine homogen gedachte Gruppe) würde bald zur Minderheit werden.
  • Die Linken und die Liberalen. Warum? Weil sie mit ihre Wertvorstellungen diametral jenen der Rechtsextremen entgegengesetzt sind. Werte wie Gleichheit, allgemeine Menschenrechte, das Verteidigen von Pluralität, das Anprangern von Hierarchien und Diskriminierung passen nicht ins starre Bild der natürlich-hierarchischen, ethnisch homogenen Volksgemeinschaft.
  • Der Feminismus. Warum? Weil er in der Logik von Rechsextremen den weiblichen Körper falsch politisiert. Feministinnen prangern das Patriarchat und strukturelle Ungleichbehandlung an. Für Rechtsextreme ist ein solches in einer „harmonischen“ Nation mit ihrer „natürlichen“ Ordnung nicht existent.

Die Frauen gehen genau gegen diese Feindbilder auf die Straße. In ihrer Logik kämpfen sie gegen Unterdrückung – es ist eine Unterdrückung, die von Eliten, von Liberalen, von Linken, von Feministinnen ausgeht. Für die Frauen in der IB ist es Emanzipation, in einer rechtsextremen Jugendgruppe aktiv zu sein: Sie befreien sich nicht vom Patriarchat, sie „befreien“ sich von einer liberalen Gesellschaft. Es ist die Emanzipation von der Emanzipation. Das ist der größtmögliche Widerstand, den sie in ihrer Deutung leisten können.

Obendrein ist das Angebot attraktiv: Die IB propagiert, die „letzte Generation“ zu sein, die „ihr Volk“ noch vor diesem vermeintlichen „Austausch“ retten kann. Zur letzten Generation gehören! Was für eine Selbsthistorisierung! Das wertet die IB-Mitglieder natürlich ungemein auf – auch das ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor.

Wie organisieren sich Frauen in der IB und was tun sie?

Es gibt bei den Identitären eine eigene Gruppe im deutschsprachigen Raum, die sich Identitäre Mädels und Frauen nennt (ursprünglich Mädelsgruppe Edelweiß) – es ist eine Facebook-Gruppe. Vor etwa zwei Jahren haben sie einfach nur geteilt, was die IB-Seite gepostet hat, nach und nach haben die Frauen bei der IB auch eigenen Inhalt produziert.

Wie sieht das in der Praxis aus?

  • Videos mit Botschaften „an die Frauen da draußen“, die sich vor Migranten und männlichen Flüchtlingen hüten sollen. Sie prangern deren Gewalt an und übertragen sie auf alle Flüchtlinge. Umgekehrt ist Gewalt, ist Sexismus von deutschen, von österreichischen Männern kein Thema.
  • Frauen sind auch Rednerinnen auf Demos – beispielsweise zuletzt in Wien am Kahlenberger, aber auch in Berlin letzten Juni. Die Message (zusammengefasst): Neben den Tampons können Frauen in der Drogerie jetzt schon Pfefferspray kaufen, weil sie jetzt – erst jetzt – bedroht sind, und zwar dauerhaft.
  • Es gibt Aktionen, wo IB-Frauen sich als Burka-Trägerinnen verkleiden, sich mit Kunstblut beschmieren und dann davor warnen, dass das die logische Konsequenz aus Integrationspolitik wäre.
  • Und es gibt entweder Selbstverteidigungskurse oder Tipps zur Selbstverteidigung. Man rät anderen Frauen zu Pfefferspray, Box-Trainings und rät zugleich von Handtaschen und Alkohol ab.

Gibt es auch Frauen in Schlüsselpositionen?

Mitglieder wie Melanie Schmitz und Paula Winterfelt in Deutschland oder Ingrid Weiss und Alina Wychera in Österreich haben durchaus machtvolle Funktionen. Allerdings nie so, dass sie für die männlichen Kader zur Konkurrenz werden.

Melanie Schmitz in Halle trällert Lieder für die AfD und nutzt ihre Social Media Accounts, um neben IB-Werbung auch Einblicke in ausgewählte Momente aus dem Privatleben zu geben (Insta-Filter inclusive) zu geben. Sie zeigt den Alltag einer Mitt-Zwanzigerin, die sich als eine der Idealtypen einer modebewussten, jungen, mal betont femininen mal toughen rechtsextremen Frau darstellen möchte. Sie kann durchaus als Frontfrau (wohl auch weil einzig bekannten Frau) der IB Halle gesehen werden, die bei jeder Aktion dabei und auch bei Einprozent aktiv ist. Paula Winterfeldt (IB Berlin) baut sich seit einer Weile eine Social Media-Präsenz auf und fungiert als Rednerin bei IB-Aufmärschen wie in Berlin 2017. Alina Wychera (IB Wien) ist seit Beginn der IBÖ aktiv, werkt für die IB als Fotografin bzw. nützt generell einen „künstlerischen“ Raum, um die Ideologie der IB zu untermauern – dazu zählen Motive verkitschter Naturromantik oder Fotos von ihr selbst für Werbesujets. Ingrid Weiss (IB Wien) wiederum ist eine Netzwerkerin und wohl über ihren Vater gute Kontakte über Landesgrenzen hinweg.

Welchen Nutzen haben die Frauen für die IB?

Über den Aktivismus von Frauen in der IB erfolgt eine besondere Legitimierung von Rassismus und des Antifeminismus: Die Identitären agitieren gegen Muslime und Flüchtlinge – so machen es auch die Frauen in ihren Reihen. Relevant ist bei den IB-Frauen jedoch, dass sie die Rolle der (potenziell) von Gewalt Betroffenen einnehmen können (und wollen). Die Behauptung der IB, man sei als ganze „Generation“ das „Opfer“ (Opfer der Eliten, Opfer von „Multikulti“ o.Ä.), wird von Frauen verstärkt, weil sie unmittelbar mit ihren Körpern die Projektionsflächen dieser Bedrohungserzählungen sind.

Die IB möchte sich wehrhaft darstellen. Das Angebot für die interessierten Männer ist möglicherweise recht attraktiv: Sie können als „Möchtegern-Abendland-Verteidiger in Anlehnung an den Spartaner-König Leonidas auftreten. Dieses „Wehrhafte“ soll jedoch nur die heldenhaft inszenierte Deutung des Rassismus der IB sein. Die IB wendet Retorsion an, stellt sich selbst als bedrohte Minderhiet dar, statt als jene Privilegierten der Gesellschaft, die sie eigentlich sind. Das behauptete „Wehrhafte“, das die IB darstellen möchte, soll durch die IB-Frauen als besonders legitim erscheinen. Denn es wehren sich auch die vermeintlich Betroffenen, jene, die besonders von der behaupteten pauschalen Gewalt von migrantischen Männern ausgesetzt sind. Es sind Frauen, die gegen Muslime und gegen Flüchtlinge mobil machen. Der Rassismus, den die IB an den Tag legt, soll in dieser Auslegung schon fast als Notwehr gelten.

Insgesamt sind Frauen bei der IB in einer eklatanten Minderheit. Aber die IB nutzt die Frauen, die bei ihnen organisiert sind, gezielt für Image-Politik. Wie das funktioniert? Die IB ist gewalttätig. Noch nach jeder ihrer Aufmärsche kam es zu Übergriffen auf Antifaschistinnen, in Graz attackierte man KritikerInnen mit Teleskopschlagstock, in Wien machte ein Kader von einer Schreckschusspistole Gebrauch, in Lübeck attackierte ein IBler einen Linken mit einem Messer, in Halle wurden Quarzhandschuhe und Messer von der Polizei gesichert. Dieses Bild ist keines, das die IB von sich zeigen möchte, auch wenn es der Realität entspricht. Selbiges gilt für Demo: Hooligans mit Glatzen und Tattoos sollen im Hintergrund bleiben. Stattdessen halten vor allem Frauen das Fronttransparent. Die Bildpolitik ist für die IB zentral. Auch Sellner sagt offen: „Das Bild ist das Wichtigste. Die Schlagzeile ist realer als die Aktion.“ Kein Wunder, dass sie besonders darauf achten, wen sie in die erste Reihe lassen – zumindest wenn Kameraobjektive auf sie gerichtet sind. Die IB agiert in der Logik von Medien und FotografInnen, die ein Titelbild brauchen: Die Frauen in der ersten Reihe machen die Demo „bunter“, „fröhlicher“.

Gute Männer, böse Männer – gute Frauen, böse Frauen

Wenn es um Gewalt an Frauen geht, wenn es um sexuelle Gewalt geht, dann ist aggressive Männlichkeit das Problem. Die Täter kommen vor allem aus dem sozialen Nahraum von Betroffenen, es sind die eigenen Partner, Ex-Partner, es sind Männer aus dem Familien- oder Freundeskreis. Das klammert die IB bewusst aus. Die IB spaltet in gute und böse Männer, wobei gut (und unbefleckt) immer die eigenen Männer, die „weißen Männer“, die eigenen IB-Kameraden sind. Böse und gefährlich sind nur die „andern“, die „fremden“ Männer – männliche Flüchtlinge, junge Migranten, muslimische Männer generell. Es gibt für die Frauen in der IB kein Männlichkeitsproblem, es gibt ein „Fremdenproblem“. Gewalt an Frauen wollen sie nur rassistisch deuten.

Selbiges beim Thema Antifeminismus. Der Feminismus ist ein Gegner, weil er den weiblichen Körper „falsch“ politisiert. Dem Feminismus geht es um individuelle Rechte von Frauen, um den Kampf gegen Diskriminierung, er prangert Ungerechtigkeit an ohne dass es dabei um die „Nation“ als zentrale Kategorie geht. Feministinnen geht es um alle Frauen, unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Klasse und adressiert alle Männer – ebenso unabhängig von Herkunft, Religion und Klasse als (potenziell) privilegiert und – in Fragen von Gewalt – als (potenzielle) Täter. Doch für die IB, wie für alle Rechtsextreme, steht die Nation, steht das Volk im Zentrum jeder Analyse. Hinzu kommt die Mär der Bedrohung durch den „Bevölkerungsaustausch“. In diesem „Abwehrkampf“ vor genau dieser „Gefahr“ kommt Frauen eine relevante Rolle zu. Denn ihre Aufgabe im Kampf gegen die „Demographie-Krise“ ist es, Kinder in die Welt zu setzen. Feministinnen beharren darauf, dass der Körper einer Frau nur dieser Frau selbst gehört. Für Rechtsextreme gehört der Körper einer Frau der Nation – seine Bestimmung wird auf das reduziert, was dem Volks als wesentlich erachtet: Kinder – und zwar „eigene“ – in die Welt zu setzen. Feministinnen können in dieser Logik nur „Volksverräterinnen“ sein. Für die IB und Rechtsextreme generell gilt: Nicht das Patriarchat ist das Problem, sondern die demographische Entwicklung ist das Problem. Daraus folgt: Man kann und will nicht für Selbstbestimmung kämpfen, sondern fordert das Unterordnen von Frauen unter den „Volkswillen“ – unter dessen Bedürfnisse.

Arte hat sich in einer Dokumentation rechtsextremen Frauen gewidmet. Zu Wort kommt auch Natascha Strobl. Die Dokumentation kann auf Youtube nachgesehen werden:

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Kongress in Linz #noEfLinz

Am 29. Oktober 2016 hat in den Redoutensälen das erste groß angelegte Vernetzungstreffen der Neuen Rechten seiner Art in Österreich stattgefunden.

Warum diese Netzwerkveranstaltung schlussendlich eine Gefahr für unsere Demokratie ist, darüber hat Kathrin Glösel mit dem Deutschlandradio Kultur gesprochen.

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Was wir aus dem Treffen und den Gegenprotesten gelernt haben, erklärt Natascha Strobl auf ihrem Blog Schmetterlingssammlung.net

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Wie funktioniert Rechtspopulismus?

Die FPÖ steht realpolitisch für Kürzungs- und Ausgrenzungspolitik. Dennoch ist die Partei umfragenstark. Zwar sprechen ihre WählerInnen auf Anti-Political-Correctness und Anti-Flüchtlingspolitik inhaltlich auch an, doch mit der Strategie, rechtspopulistisch mehrere Feindbilder zu bedienen, gelingen der Partei gezielte Provokationen und Breitenwirksamkeit über den ideologisch nahestehenden Kern hinaus.

Populismus: Was ist das überhaupt?

Populismus ist weniger eine Ideologie, sondern ein bewusst gewählter Strategienbausatz, um politische Positionen einfach und breitenwirksam an eine  möglichst große Masse an Menschen heranzutragen und sie dort einsickern zu lassen.

Das bedeutet nicht nur, dass die eigenen Forderungen möglichst simpel und logisch nachvollziehbar sein müssen, sondern auch, dass man WählerInnen emotional erreichen muss – das geht am besten, indem Feindbilder geschärft werden, von denen sich eine Partei, aber auch WählerInnen (positiv) abheben sollen.

Wie diese Feindbilder von RechtspopulistInnen eingesetzt werden, zeichnet z.B. der Politikwissenschafter Sebastian Reinfeldt – auch grafisch – im „populistischen Viereck“ nach:

grafik
Quelle: Sebastian Reinfeldt (2013): „Wir für Euch“. Die Wirksamkeit des Rechtspopulismus in Zeiten der Krise, Edition Diss, S. 50ff.

„Wir“ sind die fleißigen und rechtschaffenen – egal ob es stimmt oder nicht

Obgleich im Radius der FPÖ wiederholt Skandale auftreten (Stichwort Verantwortung Hypo Alpe Adria, vermutete „Kickl-Back“-Zahlungen, Verurteilungen wegen Verhetzung, Untreue und diverse andere Delikte), inszeniert sich die Partei als „Saubermann“-Partei, die nie Fehler begeht, nur korrigiert und für Recht und Ordnung sorgt.

Dieses „Wir, die Guten“ ist um eine Führungsfigur herum aufgebaut, auf die wiederkehrend, einprägsam ist und für die verschiedene Rollen entworfen werden, um verschiedene WählerInnengruppen anzusprechen. Diese Rollen widersprechen sich sogar, sei es jetzt der Party-Sra-Che, der Kreuzritter, der Rapper oder der (pennale) Burschenschafter.

„Wir“ sprechen „für das Volk“ – deswegen haben wir Recht!

Auch wenn die Mehrheitsverhältnisse in Parlamenten anderes zeigen, PopulistInnen geben vor, immer das auszusprechen, was sich alle ohnehin denken, aber nicht zu sagen getrauen und nur den „Volkswillen“ auszuführen – daraus ergibt sich die Legitimation für jede Forderung, jeden Ausspruch. Das funktioniert nicht nur bei Pegida und ihrem Leitspruch, eine Gruppierung, die nicht die Mehrheit der Bevölkerung darstellt und ist auch auf die FPÖ umlegbar.

„Die da oben wollen euch Schlechtes“

Eine homogen dargestellte Elite, die nicht an den Bedürfnissen der Masse der Bevlkerung interessiert ist, wird angegriffen. Man könnte meinen, Burschenschafter wären eine adäquate Gruppe, dies zu tun – angesichts der Tatsache, dass etwa 4.000 Männer österreichweit einer schlagenden Verbindung angehören, Korporierte aber 40 Prozent des FPÖ-Klubs ausmachen, läge dieser Schluss nahe. Tatsächlich sind es für die FPÖ stets jene Parteien, mit denen sie nicht gerade regieren oder Gewerkschaften und „Brüssel“, die zu Feindbildern stilisiert werden. Ihnen wird attestiert, „gegen das Volk“ zu sein, was sie gefährlich und die PopulistInnen wiederum zu RetterInnen wirken lassen soll.

„Fremde“ und „Faule“ sind unerwünscht

PopulistInnen sind an kurzfristigen Wahlerfolgen und Macht interessiert, nicht an tatsächlicher Besserstellung für große Bevölkerungsgruppen. RechtspopulistInnen brauchen Spaltungen in der Gesellschaft, aus denen heraus sie ihren Nutzen ziehen können. Eine gespaltene Gesellschaft ist schwach, Spaltung ist Krise und Krise erfordert – rasche und einfach wirkende – Lösungen.

Ein Mittel ist, innerhalb der Bevölkerung Gruppen zu finden, auf die negative Eigenschaften projiziert werden können und deren Ausschluss man fordert. Dazu gehören MigrantInnen, aber genauso Arme und Obdachlose – sie werden, je nach Nutzen, mit Vorwürfen bedacht: sie seien fremd und passen nicht hierher, sie ruhen sich im Sozialstaat aus, sie stören mit Bettelei. Das Versprechen: bestrafen wir jene, geht es den „guten“ BürgerInnen besser. Auch wenn dieses Versprechen nicht eingelöst wird. RechtspopulistInnen sind nicht an Armutsbekämpfung, Ausbau von Integration oder besserer Umverteilung interessiert.

Divide et impera!

Damit diese einfachen Feindbilder, die Heilsversprechen und die vermeintlich „raschen“ Lösungen überhaupt nachgefragt sind, brauchen RechtspopulistInnen Krisen – egal ob es eine Wirtschaftskrise gibt oder nicht, sie brauchen ein Schreckensszenario, brauchen Angst, um zu zeigen, dass andere politische AkteurInnen keine Kompetenz haben, eine Krise zu bewältigen.

Schwarzblau und Oberösterreich haben es vorgemacht: wenn RechspopulistInnen regieren, geht es Menschen materiell und sozial nicht besser. RechtspopulistInnen haben auch kein materielles Angebot, sie sind nicht an gesellschaftlichem Wohlstand interessiert – ihr Angebot ist emotional: sie bieten eine attraktive Identität und suggerieren mit den passenden Feindbildern, dass manche Menschen in Österreich wertvoller sind als andere und rechtfertigen den Ausschluss jener Bevölkerungsgruppen, die sie als unerwünscht empfinden.