Veröffentlicht in FPÖ, Identitäre, Neue Rechte

Wer steckt hinter dem „Europäischen Forum Linz“?

(Beitrag wird laufend aktualisiert)

Für den 29. Oktober 2016 rufen die selbsternannten „Verteidiger des europäischen Abendlandes“ zu einer Konferenz in Linz auf. Präsentiert wird das Ganze als „Messe“ – über den genauen Ablauf gibt es derzeit noch keine weiteren Informationen.

Fest steht: es soll eine „Leistungsschau der […] identitären und konservativen Arbeit im publizistischen, kulturschaffenden sowie politischen Bereich“ geben – also wird es wohl an den zwischentag, die „Messe“/das zentrale Vernetzungstreffen der Neuen Rechten und ihrer Fans in Deutschland, angelehnt sein.

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Screenshot http://europaeisches-forum.at

Bisher kannte man solche „Konferenzen“ vor allem aus Deutschland (etwaige „Akademien“ auf dem Rittergut von Schnellroda, organisiert vom Institut für Staatspolitik – Götz Kubitschek) oder vom „Identitær Idé“-Seminar in Stockholm.

Wer sich die Seite ansieht, dem fällt sicherlich die Ähnlichkeit zum Blogdesign der Identitären auf.

Wer unterstützt diese Konferenz?

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Screenshot http://europaeisches-forum.at

 

Da wäre zunächst unzensuriert.at, ein Blog, das als Sprachrohr von Martin Graf (ehemaliger dritter Nationalratspräsident für die FPÖ) bezeichnet wird. Der Blog fällt durch abfällige Texte gegen linke PolitikerInnen, AktivistInnen, antimuslimisch-rassistische und antifeminsitische Texte auf. Er ist Teil der rechtsalternativen Medienwelt der FPÖ, zu der auch FPÖ-TV und Zur Zeit hinzuzuzählen sind.

Der zweite Partner ist das Info Direkt-Magazin, über das Stopptdierechten.at schon berichtet hat. Sowohl im Impressum dieses Magazins als auch im Impressum dieser Konferenz in Linz ist der  „Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik“ angeführt.

Laut Selbstbeschreibung will der Verein (und will wohl auch „Info Direkt“) die „unabhängige und überparteiliche Publizistik in Österreich“ stärken. Ein hehres Ziel, umso lohnenswerter ist es, sich näher anzusehen, wer hinter dem Verein steckt – und wie „unabhängig und überparteilich“ die Nachrichten sein können, die einen als LeserIn erwarten.

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Über den Verein und die angeführte Adresse schreibt Stopptdierechten.at näher:

Dort residiert die Österreichische Landsmannschaft (ÖLM), deren Vorsitzender in Oberösterreich der Ing. Karl Winkler ist, der auch der Obmann unseres gesuchten Vereins für Meinungsfreiheit ist.

Laut DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands handelt es sich bei der ÖLM übrigens um eine als rechtsextrem eingestufte Organisation.

Stellvertreterin von Karl Winkler im Verein ist Gertrud Stain, die offenbar einen FPÖ-Hintergrund vorzuweisen hat.

Auf Stopptdierechten.at kann näher nachgelesen werden, wie die Verbindungen von „Info Direkt“ mit der FPÖ funktioniert und welche Personen sich in sozialen Netzwerken unter den Fans tummeln.

Offenkundig ist also: es handelt sich bei diesem Kongress um eine Veranstaltung, die von der FPÖ (in der Form unterstützter Plattformen) getragen wird. Umso spannender wird es, wie die Gästeliste unter den VeranstalterInnen genau aussehen wird. Online wird es jedenfalls von Philip Stein (Sezession, Blaue Narzisse) und Identitären (z.B. Philipp Huemer, Identitäre Wien) beworben (wobei die Beschreibung als „konservative Messe“ verharmlosend ist):

Stein

Der Eintritt zur „Messe“ ist nicht gerade günstig. Kein Wunder, dass das bei machen selbsternannten Rettern des Abendlandes Kritik auslöst😉

Facebook
Screenshot Facebook Seite von „Info-Direkt“

 

Veröffentlicht in Analyse, Identitäre, Neue Rechte

Strategien einfach erklärt: #1 Retorsion

Das ist eine Strategie, in der sich Angehörige der privilegierten Mehrheit einer Gesellschaft mit den Waffnen der Minderheit ausstattet – man stellt sich selbst als Minderheit, als bedroht, als diskriminiert dar. Rechtsextreme legitimieren aus dieser Position heraus rassistische Politik, denn es klingt heldenhafter zu sagen „wir sind bedroht, wir verteidigen uns“ als zu sagen „wir haben Privilegien und keine Lust, etwas davon abzugeben, damit es anderen besser geht als jetzt“. (Vgl.Mark Terkessidis: Kulturkampf. Volk, Nation, der Westen und die Neue Rechte. Köln 1995, S. 67)

Retorsion 1
Identitäre Bewegung Deutschland (Facebook): https://www.facebook.com/identitaere/photos/a.583269085024488.1073741828.581482171869846/703236009694461/?type=3&theater

 

Was ist die Aussage?

Wenn sich Identitäre (als Deutsche/ÖsterreicherInnen) als bedrohte Minderheit im eigenen Land inszenieren, so setzen sie wahlweise Migration und Flucht von Einzelpersonen und Familien mit der gezielten und gewaltsamen Siedlungspolitik und Vertreibung amerikanischer UreinwohnerInnen gleich. Es spielt keine Rolle, dass Familien nicht in Absprache, nicht mit großer Strategie, ohne Gewalt und ohne verbliebenes Eigentum vor Not und Krieg flüchten und Schutz suchen. Sie werden von Identitären pauschal als Gefahren und GegnerInnen dargestellt.

Retorsion 2
Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner

 

Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner
Screenshot Twitter-Profil Martin Sellner

Auch hier findet Retorsion statt: Emanzipation von gesellschaftlich (offensichtlich!) diskriminierten Gruppen wird als Angriff auf die Privilegien der Mehrheit gewertet.

Konkret: sich benachteiligt zu fühlen, weil Twitter dem Hashtag #blacklivesmatter, einer Initiative, bei der sich Tausende Schwarze in den USA organisieren und gegen Morde an schwarzen Mitmenschen durch (weiße) PolizistInnen protestieren – unter dem Vorwand, Identitäre (die auf lediglich 500 Leute auf ihre größeren Demonstrationen mobilisieren) hätten noch keinen, ist bewusste Realitätsverzerrung. Privilegierte brauchen keine Emanzipation, keine Besserstellung – Unterdrückte dagegen sind laut und kämpfen, um gleich wie die bisher Privilegierten behandelt zu werden. Eine sehr gute Antwort auf „all lives matter“ in Reaktion auf „black lives matter“ wurde hier sehr gut zusammengefasst!

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Lasst uns über Rechtsextremismus reden

Natascha Strobl zur aufgeheizten Debatte in Österreich über nationalistische Demonstrationen von AKP-AnhängerInnen und warum es in die falsche Richtung geht, nach der Herkunft der DemonstrantInnen zu Fragen und über ihr Recht auf Proteste zu debattieren. Stattdessen muss darüber geredet werden, wie man Nationalismus und Rechtsextremismus begegnet, die auch in migrantischen Communities vorherrschen.

schmetterlingssammlung

Dieser Tage sind viele beeindruckende ideologische Verrenkungen zu bemerken. Über jene einer linken Gruppe, die sich nicht zu blöd war trotz unmittelbarer und vieler Warnungen aus dem gesamten linken Spektrum, mit konservativen, AKPler_innen und in der Folge auch Faschist_innen und Jihadisten-Fanboys und –girls auf die Straße zu gehen, wurde schon viel gesagt. Auch wurden viele richtige und wichtige Worte darüber verloren, dass man gleichzeitig gegen den Putsch in der Türkei und gegen die AKP sein kann.

In den Tagen darauf erhielt die Debatte darüber, dass rechte bis rechtsextreme/faschistische Demonstrant_innen in Wien auf die Straße gingen, einen Staatschef bejubeln, der gerade im Begriff ist, die letzten Reste Demokratie in der Türkei zu beseitigen, aber eine Wendung in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Es geht nicht mehr um den politischen Gehalt solcher Demonstrationen, sondern es sind „Türken-Demos“. Die Demonstrierenden werden also einzig auf ihre Migrationsgeschichte (oder die ihrer Eltern oder Großeltern) reduziert. Es geht…

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